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AKUT - Tunnel mit "Ohren"

Um Tunnel mittel- und langfristig noch sicherer zu machen, haben die ASFINAG und Joanneum Research seit 2005 AKUT entwickelt. AKUT steht für akustisches Tunnelmonitoring, ein international einmaliges Hightech-Sicherheitsprojekt, welches Unfallgeräusche im Tunnel erkennt und in der Folge Alarm auslöst.

So funktioniert AKUT

Im Vorfeld wurden atypische Geräusche bei echten Crashtests aufgenommen und analysiert. Diese Geräuschcharakteristika sind in einer Datenbank abgelegt und bilden die Grundlage für den Detektionsalgorithmus.

Die im Tunnel eingebauten Spezialmikrofone sind im Abstand von zirka 125 Metern immer direkt neben einer Videokamera eingebaut. Mit den Mikrofonen werden alle Geräusche im Tunnel aufgenommen und in Echtzeit analysiert, gleichzeitig in einem Speicher für max. 72 Stunden gemeinsam mit dem Videobild abgelegt. Stellt das AKUT-System ein ungewöhnliches Geräusch wie jenes einer Vollbremsung (quietschende Reifen) oder eines Reifenplatzers fest, reagiert das System mit Alarm. In diesem Fall wird in der zuständigen ASFINAG Verkehrsmanagementzentrale sofort die Kamera neben dem auslösenden Mikrofon aufgeschalten.

Was bringt AKUT?

Die Software der "Tunnelohren" ist lernend, entwickelt sich also weiter und wird dadurch auch immer genauer. Der Vorteil dieser Überwachung liegt klar auf der Hand: Zeit. Der Alarm wird früher ausgelöst als beispielsweise durch Videodetektion. Bis zu zweieinhalb Minuten schneller können so Einsatzkräfte von unserer Überwachungszentrale aus alarmiert werden. Zeit, die im Ernstfall Leben retten kann. Die Vorteile auf einen Blick:

  • Unfälle können mit diesen „Ohren" früher erkannt werden, eine schnellere Reaktion ist also möglich.
  • Die Akustik ist auch bei vollständig verrauchten Tunnelanlagen wirksam.
  • Man kann Personen lokalisieren, die sich außerhalb des Sichtfeldes der Videokameras befinden.

 

Beispiel: Fahrzeugbrand im Kirchdorftunnel auf der S 36 Brucker Schnellstraße

Beispiel: Fahrzeugbrand im Kirchdorftunnel auf der S 36 Brucker Schnellstraße

 

Aus der Grafik geht hervor, dass AKUT einen wesentlichen Zeitvorteil bringt. Der Fahrzeugbrand ereignete sich in der Oströhre des Tunnels Kirchdorf, wobei ein bereits brennender Pkw in den Tunnel einfuhr und nach einigen hundert Metern zum Stillstand kam. Nachdem der Fahrer ausgestiegen war, entwickelte sich ein Vollbrand des Pkw.


In der abgebildeten Alarmierungskette ist zu erkennen, dass das AKUT-System bereits zwei Minuten 20 Sekunden früher alarmiert hat. Auslöser war das Geräusch "Türenschlagen". Der Zeitvorsprung zur Videodetektion kann speziell bei einem Fahrzeugbrand von großer Bedeutung und lebensrettend sein. Gemäß Expertise der Feuerwehr reichen im Tunnel etwa zwei Minuten zum Entstehen eines Vollbrandes.

Weitere "Tunnelohren" folgen

Nach dem erfolgreichen Piloteinsatz im Kirchdorftunnel auf der S 35 Brucker Schnellstraße in der Steiermark im Jahr 2010 wird das Projekt AKUT in den vergangenen Jahren auf weitere Tunnel im ASFINAG Netz ausgerollt. Dafür hat die ASFINAG mit Joanneum Research 2014 einen Rahmenvertrag abgeschlossen in welchem die Tunnel mit AKUT System definiert sind beziehungsweise auch die gemeinsame Weiterentwicklung des AKUT-Systems geregelt ist.

 

Bereits im Einsatz ist AKUT auf der A 2 bei der Nordumfahrung Klagenfurt in den Tunneln Trettnig, Lendorf, Falkenberg und Ehrentalerberg, im Bosrucktunnel auf der A 9 Pyhrn Autobahn sowie im Tunnel Götschka, Lest, Neumarkt und Pernau auf der S 10 Mühlviertler Schnellstraße.

 

Die nächsten Tunnel, welche mit AKUT ausgerüstet werden, sind:

  • A 1 West Autobahn: Tunnel Liefering
  • A 9 Pyhrn Autobahn: Gleinalmtunnel, Tunnel Wald sowie Tunnel Klaus und Spering
  • A 10 Tauern Autobahn: Kroislerwandtunnel, Owaldibergtunnel
  • S 16 Arlberg Schnellstraße: Arlbergtunnel und Flirscher Tunnel
  • A 22 Donauufer Autobahn: Kaisermühlentunnel

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