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Einzigartiger Einsatz eines Abbruch-Schiffes im Knoten Prater

ASFINAG Projektleiterin Brigitte Müllneritsch im Interview.

Frau Müllneritsch: Die Erdberger Brücke wird – im Zuge des Umbaus Knoten Prater – mittels eines Schiffes abgebrochen. Ist das der erste Einsatz in Österreich/Europa?

Das Stelzenponton wird üblicher Weise als Arbeitsplattform für Nassbaggerungen oder Hubarbeiten vorwiegend am Rhein, Main und Donau verwendet. Dass es als Unterstellung für einen Brückenabtrag (so wie jetzt am Knoten Prater) verwendet wird ist erstmalig. Die Einfahrt des Pontons in den Donaukanal hat bereits beim ersten Einsatz des Schiffes 2015 bestens funktioniert. Daher wird auch der zweite Teil der Erdberger Brücke auf diese Weise abgetragen.

Wie groß ist das Abbruch-Schiff?

Insgesamt zwölf Meter breit und runde 82 Meter lang - links und rechts mit Schütten versehen, zum Auffangen des Abbruchmaterials. Normalerweise ist die Befahrung des rund 3,5 Meter tiefen Donaukanals für derartige Schiffsgrößen ja nicht zugelassen. Für die ASFINAG ist dies aufgrund einer Sonderbewilligung durch der Schifffahrtsaufsicht beziehungsweise der Obersten Schifffahrtsbehörde möglich.

Bestehen Unsicherheiten/Gefahren durch das Schiff für Flussboden oder Tiere?

Nein, es bestehen weder Gefahren für den Flussboden noch für Tiere. Das Flussbett wurde vor Beginn vermessen und wird auch nach Abschluss der Arbeiten genau kontrolliert.

Bestehen während des Abbruchs Gefahren – weiß man wie die Brücke reagieren wird?

Es wurden alle denkbaren Szenarien statisch berücksichtigt und mit den normativ vorgeschriebenen Sicherheitsfaktoren berechnet. Die Statik wurde anhand eines 3D-Modells der Brücke berechnet, in dem die einzelnen Abbruchphasen berücksichtigt sind. Um zeitnah zu sehen, wie die Brücke während der Abbrucharbeiten reagiert und dadurch kurzfristig auf Reaktionen der Brücke reagieren zu können, wurde ein Monitoringsystem installiert, welches in Echtzeit alle Bewegungen der Brücke aufzeichnet. Des Weiteren sind zwischen Ponton und Brücke Pressen eingebaut, bei welchen man die vorherrschenden Kräfte aufgrund von eingebauten Manometern ablesen kann.

Was passiert mit dem Schutt – ist dies Sondermüll?

Der Schutt wird zum größten Teil vom Ponton selbst in den Albener Hafen gebracht und von dort mit Lkw‘s weiter in eine Deponie nach Fischamend. Es handelt sich dabei auch um keinen Sondermüll, sondern der Betonabbruch kann, wie bei jeder Baustelle, zu Recyclingmaterial verarbeitet werden.

Warum wurde diese „teure" Art des Brückenabbruchs gewählt?

Nachdem im städtischen Bereich eine Sprengung nicht zulässig ist, war in der Ausschreibung vorgesehen, den Abbruch konventionell mit einem Schutzgerüst und mit stückweisen Abbruch durchzuführen. Eine weitere Rahmenbedingung war, den Verkehr sowohl im Donaukanal wie auch auf der A 4 ständig aufrecht zu erhalten.

Seitens der beauftragten Baufirma ist im Herbst letzten Jahres ein innovatives Abbruchkonzept vorgelegt worden. Dies beinhaltet den Einsatz dieses Schiffes, welches im Donaukanal unterhalb der Brücke einschwimmt. Das Schiff selber stützt sowohl die Brücke während der Abbrucharbeiten und kann auch in weiterer Folge wesentlich größere Mengen an Betonabbruch abtransportieren. Diese Methode hat einen wesentlichen Zeitvorteil. Für beide Brückentragwerke stellt dies eine Ersparnis von in Summe zehn Monaten Bauzeit dar.

Kontakt

DI Brigitte Müllneritsch

DI Brigitte Müllneritsch
Projektleiterin ASFINAG Bau Management GmbH


Telefon:
E-Mail: brigitte.muellneritsch@asfinag.at