Was Sie über das Bilden einer Rettungsgasse wissen sollten

Seit 1. Jänner 2012 müssen alle Verkehrsteilnehmerinnen und -nehmer die Rettungsgasse bilden - vorausschauend bei stockendem Verkehr und bei Stau.

  • Was ist überhaupt eine Rettungsgasse?

    Die Rettungsgasse ist eine freibleibende Fahrgasse zwischen einzelnen Fahrstreifen einer Autobahn oder Schnellstraße beziehungsweise Autostraße. Die Rettungsgasse ermöglicht das schnellere Vorwärtskommen von Einsatzfahrzeugen wie beispielsweise Polizei, Rettung, Feuerwehr, Fahrzeugen des Straßendienstes (ASFINAG) und des Pannendienstes wie etwa Abschleppunternehmen, ÖAMTC, ARBÖ.

  • Muss ich eine Rettungsgasse bilden, wenn nicht alle Fahrspuren stauen?

    Solange mindestens eine Fahrspur frei zu befahren ist, besteht keine Notwendigkeit beziehungsweise Verpflichtung, eine Rettungsgasse zu bilden.

  • Was passiert, wenn ich dem Einsatzfahrzeug in der Rettungsgasse direkt nachfahre?

    Dieses Verhalten ist genauso strafbar wie das Nachfahren in anderen Situationen. Der Strafrahmen liegt bei bis zu 2.180 Euro, wenn ein (weiteres) Einsatzfahrzeug behindert wurde, sonst bei bis zu 726 Euro.

  • Wenn eine Mitfahrerin /Mitfahrer einen medizinischen Notfall erleidet, darf ich dann auf der Rettungsgasse vorfahren, um schnell ins Krankenhaus zu kommen?

    Eine solche Übertretung wäre im Notstand gerechtfertigt, wenn man im folgenden Verfahren eine ärztliche Bestätigung vorlegen kann, die die außergewöhnliche Situation plausibel belegt.

  • Müssen Einsatzfahrzeuge die Rettungsgasse benutzen?

    Einsatzfahrzeuge haben die Verpflichtung, den schnellst möglichen Weg zum Unfallort zu wählen. Die Rettungsgasse ermöglicht in der Regel die schnellste Zufahrt. Dennoch kann auch der Pannenstreifen, sofern er nach der Bildung einer Rettungsgasse noch ausreichend Platz bietet, benützt werden.

  • Handelt es sich beim Verstoß gegen die Pflicht zur Bildung der Rettungsgasse um ein Vormerkdelikt?

    Nein.

  • Kann man bestraft werden, wenn man keine Rettungsgasse bildet?

    Wer nicht mitmacht, muss mit einer Strafe von bis zu 2.180 Euro rechnen.

  • Kann man als Privater jemanden anzeigen, der sich falsch verhält?

    Ja, ebenso wie bei anderen Verkehrsübertretungen.

  • Wie soll ich mich verhalten, wenn Autos vor mir nicht die Rettungsgasse bilden?

    Bei Stau oder stockendem Verkehr ist Jeder gesetzlich zur Bildung der Rettungsgasse verpflichtet - unabhängig davon, ob das die vorausfahrenden Verkehrsteilnehmerinnen und -nehmer bereits getan haben oder nicht. Der Folgeverkehr wird zum Mitmachen motiviert. 

  • Wie verhält man sich, wenn keine ausreichend breite Rettungsgasse (z.B. bei Tunnel und Brücken) gebildet werden kann?

    In diesem Fall muss dem sich annähernden Einsatzfahrzeug bestmöglich Platz gemacht werden.

  • Wo soll ich mein Auto hinstellen, wenn sich neben der Fahrspur ungeräumter Tiefschnee befindet?

    An den Schnee so weit wie möglich heranfahren.

  • Was gilt, wenn aufgrund von Schnee die Bodenmarkierungen nicht erkennbar sind?

    Die Bildung der Rettungsgasse ist unabhängig von sichtbaren Bodenmarkierungen verpflichtend zu bilden.

  • Wie verhält man sich bei Auf- bzw. Abfahrten?

    Man darf sich durch die Angst, die Auffahrtsrampe sei bei einer Bildung der Rettungsgasse blockiert, nicht verunsichern lassen. Eine Auffahrtsrampe führt ja nicht im rechten Winkel auf eine Autobahn auf, sondern ist baulich parallel entlang der Hauptfahrbahn geführt, bis sie nach dem gemeinsamen Schneidepunkt (Trenninselspitz) über einen Beschleunigungsstreifen in die Hauptfahrbahn mündet. Die Rettungsgasse wird bei stockendem Verkehr gebildet, wobei sich die Fahrzeuge parallel zur Fahrbahn auf den äußerst linken bzw. rechten Rand platzieren. Dies funktioniert auch beim Einmündungsbereich einer Rampe problemlos, da sich jene Autos, welche sich noch auf der Hauptfahrbahn vor dem Trenninselspitz befinden am rechten Rand einordnen und jene, die gerade hinter dem Trenninselspitz (Einmündung) zum stehen kommen, sich bereits parallel zur Fahrbahn an den äußerst rechten Rand - also auf den rechten Rand des Einmündungsbereich beziehungsweise rechten Rand des Beschleunigungsstreifen stellen. Dadurch wird jedenfalls immer eine Lücke im Einmündungsbereich bleiben, sodass die Einsatzfahrzeuge ungehindert in die Rettungsgasse einmünden können. Die Rampe wäre nur dann blockiert, wenn sich jemand quer auf die Rampe und eben nicht parallel zur Fahrbahn und dies ganz rechts stellt.

  • In welchen anderen Ländern gibt es die Rettungsgasse noch?

    In Deutschland und Tschechien. Die Schweiz und Slowenien empfehlen die freiwillige Bildung von Rettungsgassen.

  • Wo muss eine Rettungsgasse gebildet werden?

    Die Rettungsgasse ist auf (mit blauen Hinweistafeln gekennzeichneten) Autobahnen und Schnellstraßen beziehungsweise Autostraßen mit baulicher Mitteltrennung mit mehr als einem Fahrstreifen für die betreffende Fahrtrichtung zu bilden.

  • Ab wann darf die Rettungsgasse wieder aufgelöst werden?

    Die Rettungsgasse darf aufgelöst werden, sobald klar erkennbar ist, dass der Verkehr wieder flüssig in Bewegung gerät, und mit keinem weiteren Stillstand mehr zu rechnen ist.

  • Ist die Rettungsgasse auch bei Überlastung zu bilden?

    Ja. Die Rettungsgasse ist nicht nur bei Unfällen, sondern auch bei täglichen Überlastungsstaus zu bilden.

  • Ab wann spricht man von Stocken beziehungsweise Stau?

    Wenn absehbar ist, dass es zu einem Stillstand kommen kann.
     

  • Wann muss eine Rettungsgasse gebildet werden?

    Die Rettungsgasse muss vorausschauend, schon beim Entstehen eines Staus gebildet werden, nicht erst, wenn ein Einsatzfahrzeug wahrgenommen wird. Sie sollte außerdem bereits gebildet werden, bevor der Verkehr endgültig zum Stillstand gekommen ist, also bereits bei stockendem Verkehr. Aus welchem Grund die Verkehrsbehinderung entstanden ist, hat keine Bedeutung

  • Welchen Abstand muss ich zum Vordermann einhalten, wenn sich der Verkehr verlangsamt?

    Bei einem Verkehrsstillstand so viel, dass man im Bedarfsfall noch nach links oder rechts manövrieren oder ausweichen kann (Faustregel: Mindestens eine halbe Fahrzeuglänge).

  • Müssen Motorräder sich auch an der Bildung der Rettungsgasse beteiligen? Dürfen sie sich dazu nebeneinander positionieren?

    Ja, denn Motorräder dürfen die Rettungsgasse ebenfalls nicht befahren. Sich nebeneinander zu positionieren ist zwar nicht ausdrücklich erlaubt - mit einer Beanstandung ist in diesem Fall aber nicht zu rechnen.

  • Darf beziehungsweise muss, abgesehen vom Pannenstreifen, auch ein Beschleunigungs- bzw. Verzögerungsstreifen mitbenutzt werden?

    Der Beschleunigungs-/Verzögerungsstreifen sollte nur so weit mitbenützt werden, um eine ausreichend breite Rettungsgasse zu bilden. Er ist allerdings sofort zu räumen, wenn sich dort ein Einsatz- oder Straßendienstfahrzeug nähert.

  • Wie verhält man sich richtig bei einer Änderung der Anzahl der Fahrstreifen (Fahrbahnverengung, Reduktion von 3 auf 2 Fahrstreifen)?

    Man versucht ebenfalls, bestmöglich eine Rettungsgasse zu bilden, sodass ein Einsatzfahrzeug die Richtung der Weiterfahrt frei wählen kann und nicht behindert wird.

  • Darf oder muss der Pannenstreifen mitbenutzt werden?

    Der Pannenstreifen soll mitbenützt werden, um eine möglichst breite Rettungsgasse zu bilden.
     

  • Wie bildet man eine Rettungsgasse?

    Vorausschauend müssen bei stockendem Verkehr alle Fahrzeuge, die den ganz linken Fahrstreifen befahren, so weit nach links wie möglich fahren und alle anderen so weit nach rechts wie notwendig, um dazwischen eine freie Fahrgasse zu bilden. Dabei soll auch der Pannenstreifen benützt werden. Die Fahrzeuge haben sich parallel zum Fahrbahnverlauf einzuordnen, da es durch schräg stehende Fahrzeuge zu weiteren Behinderungen kommt und auch das eigene Fortkommen im Stau damit erschwert wird.

  • Was ist zu tun, wenn es keinen Pannenstreifen gibt?

    Man hat so weit als notwendig auseinanderzufahren, um die Rettungsgasse zu bilden.

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