Tunnelsicherheit

Technische Innovationen sind das Eine, richtiges Verhalten das Andere. Lesen Sie alle Fakten und Informationen rund um die Tunnel im Netz der ASFINAG

Bis 2019 investiert die ASFINAG rund 1,5 Milliarden Euro in die Tunnelsicherheit. Kunden sollen sich bei der Fahrt durch den Tunnel sicher fühlen und sicher sein. Tunnel sind sehr spezielle Bauwerke mit spezifischen Eigenschaften. Hier gelten besondere Risiken, weil es sich um geschlossene Räume handelt. Wie verhalten Sie sich im Tunnel richtig? 

 

Die ASFINAG hat für Sie im Zuge der Kampagne "Augen auf im Tunnel" ein Sicherheitsvideo zusammengestellt.

Alle angewandte Technik kann jedoch nicht die Vernunft der Fahrzeuglenker ersetzen. Das Sicherheitsprojekt ist daher ein gemeinsames, rücksichtsvolles. Bei einer Untertagefahrt ist vorausschauendes Fahrverhalten ganz besonders wichtig.

Wir haben für Sie alle Tipps für eine sichere Tunneldurchfahrt zusammengestellt:

  • Licht einschalten, Sonnenbrille abnehmen und Sonnenblende hochklappen
  • Radiosender mit Verkehrsfunk einstellen
  • Bei Regen und Schnee abrupte
  • Beschleunigungs- und Bremsmanöver im Ein- und Ausfahrtsbereich vermeiden
  • Verkehrslichtsignalanlagen, Hinweistafeln, Verkehrszeichen, Fahrstreifensignale beachten
  • Sicherheitsabstand und Tempolimit einhalten
  • Keine Wendemanöver im Tunnel, Anhalten nur in dafür vorgesehenen Abstellnischen/Pannenbuchten
Tauerntunnel nach fertiggestelltem Neubau und Sanierung.

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Zahlen, Daten und Fakten zur Tunnelsicherheit

Gegenwärtig betreibt die ASFINAG ein Streckennetz mit 2.199 Kilometern Länge auf welchem 160 Tunnelanlagen derzeit in Betrieb sind.

 

Seit Beginn der Tunneloffensive der ASFINAG im Jahr 2000 wurden rund vier Milliarden Euro in die Tunnelsicherheit (Tunnelneubauten, zweite Tunnelröhren, bauliche und elektromaschinelle Maßnahmen inklusive Generalerneuerungen sowie in den Ausbau der Überwachungszentralen) investiert. Bis 2019 fließen weitere rund 1,5 Milliarden Euro in die Tunnelsicherheit im Netz der ASFINAG.

Europaweite Richtlinie zur Tunnelsicherheit

Die Sicherheitsausstattung der Tunnel im ASFINAG Straßennetz orientiert sich an der  EU-Richtlinie für Mindestanforderungen an Straßentunnels und dem daraus abgeleiteten Straßentunnelsicherheitsgesetz (STSG), welches seit Mai 2006 in Kraft ist. Dieses schreibt für Tunnel mit einem Verkehrsaufkommen von über 10.000 Fahrzeugen pro Tag und Fahrstreifen, sowie sämtliche Tunnel von über 500 Metern Länge eine zweite Röhre bis April 2019 vor. Tunnelanlagen mit einem geringeren  Verkehrsaufkommen müssen bis dahin mit einem Fluchtweg ausgestattet sein.

Bei folgenden Tunnelanlagen werden bis 2019 zweite Tunnelröhren oder Fluchtwege errichtet

  • A 9 Speringtunnel
  • A 9 Klausertunnel
  • A 9 Traunfriedtunnel
  • A 9 Falkensteintunnel
  • A 9 Gleinalmtunnel
  • A 11 Karawankentunnel
  • S 16 Perjentunnel
  • S 16 Flirschertunnel
  • S 16 Arlbergtunnel (Flucht- und Rettungswege Ausbaustufe 1 fertiggestellt)
  • S 16 Dalaasertunnel

Ab 2020 werden folgende Anlagen noch einröhrig befahrbar sein:

(Stand April 2016)

  • A 11 Karawankentunnel
  • A 12 Landeckertunnel
  • A 14 Citytunnel Bregenz
  • S 16 Arlbergtunnel
  • S 16 Dalaasertunnel
  • S 16 Flirschertunnel

Tunnelausrüstung

Die ASFINAG hat im Jahr 2000 eine Tunneloffensive gestarter, seither wurden rund vier Milliarden Euro in die Tunnelsicherheit investiert. Ab 2019 sollen nur noch sechs Tunnelanlagen einröhrig betrieben werden.

Ferner unterstützen elektromaschinelle Maßnahmen wie optimierte Belüftung, leicht erhöhte LED-Beleuchtung entlang der äußeren Fahrspurbegrenzung und die deutliche Kennzeichnung der Fluchtwege eine sichere Fahrt durch den Tunnel. Seitens der ASFINAG wird jeder Tunnel durch zahlreiche elektronische Hightech-Systeme 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr von eigens geschulten Operatoren in Tunnelüberwachungszentralen überwacht. Innovationen wie der Thermoscanner oder das akustische Tunnelmonitoring werden derzeit in jeweils einem Tunnel im operativen Einsatz getestet. Baulich runden Rumpelstreifen, die deutliche Aufhellung von Abstellnischen und Tunnelwänden sowie eine einheitliche und übersichtliche Gestaltung des Tunnelportals die Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit ab.

Abstellnischen und Pannenbuchten

In Fahrtrichtung gesehen rechts gelegen finden sich alle 1.000 Meter Pannenbuchten und Abstellnischen. Hier können Fahrzeuge sicher abgestellt werden.

Akustisches Tunnelmonitoring (AKUT)

Mikrofone und Videokameras liefern Daten an eine spezielle Datenbank. Die eigene Software kann typische Verkehrsgeräusche von untypischen, wie sie etwa bei Zusammenstößen oder Vollbremsungen passieren, unterscheiden. Bei Alarm wird die dem detektierten Geräusch nächste Videokamera automatisch aktiviert - die Mitarbeiter in der Tunnelüberwachungszentrale können sofort reagieren.

Anpralldämpfer und Leitwände

Air Bags (in Tunnel mit Gegenverkehr) oder abgeschrägte Betonleitwände (in Tunnel ohne Gegenverkehr), um Fahrzeuge im Falle des Aufpralls zu bremsen beziehungsweise auf die Fahrbahn zurückzuleiten.

Energie

Alle Tunnelanlagen sind mit autonomen Energieversorgungen, wie beispielsweise Transformatoren und Notstromanlagen, ausgestattet.

Feuerlöschnischen

Die Feuerlöschnische beinhaltet einen Hydranten und ist alle 125 bis 150 Meter eingebaut. Die Ausstattung der Feuerlöschnischen ist mit der örtlichen Feuerwehr abgestimmt.

Flucht- und Rettungswege

Flucht- und Rettungswege sind mit grün/weißen – teilweise selbstleuchtenden – Hinweistafeln ausgeschildert. Flucht- und Rettungswege sind entweder Querschläge in die benachbarte Röhre oder Verbindungen vom Tunnelfahrraum ins Freie. Für Einsatzfahrzeuge befahrbare Querschläge sind im Höchstabstand von 1.000 Metern zu finden. Querschläge, die zu Fuß passiert werden können, findet man im Abstand von 250 bis 500 Metern.

Hightech-Tunnelüberwachung

Eine Reihe hochtechnologischer Systeme, zum Beispiel Videobildauswertung, Brandmeldesensoren, Thermoscanner oder das akustische Tunnelmonitoring ermöglichen eine rasche Reaktion im Störungsfall.

Informationsanlagen

Damit Autofahrer umfassend über die Verkehrssituation im Tunnel informiert werden können, stehen eine Reihe von Infosystemen zu Verfügung: Lautsprecher, Infotafeln, Radioeinsprachen, Beschilderung.

Intelligente Lichtsteuerung

Licht, nicht nur am Ende des Tunnels: Leuchtdichte-Sensoren sorgen dafür, dass die Beleuchtung im Tunnel immer optimal für das menschliche Auge eingestellt ist. Je heller es außerhalb des Tunnels ist, desto heller leuchtet es auch in der Einfahrt. Am Portal sitzen die Lichtpunkte enger beieinander als im Tunnelinneren. Dadurch ist der Helligkeitsunterschied nicht zu groß und das Auge kann sich an die neuen Lichtverhältnisse besser anpassen. Weitere Sensoren im Bauwerk regulieren die Durchfahrtsbeleuchtung.

Löscheinrichtungen

Feuerlöschnischen mit Löschwasserleitungen und Feuerlöschern bringen Abhilfe im Brandfall.

Lüftungssysteme

Die Luftverhältnisse im Tunnel werden rund um die Uhr überwacht. Lüftungssysteme auf dem neuesten Stand der Technik tragen im Tunnel zur Einhaltung der Schadstoffuntergrenzen bei. Im Brandfall wird Rauch gezielt abgesaugt oder aus dem Tunnel ausgeblasen.

Radioempfang

Rauschfreier Radioempfang während der Tunneldurchfahrt ist ein wesentlicher Sicherheitsbaustein. Österreichweit kann Hitradio Ö3 empfangen werden, im jeweiligen Bundesland der ORF Regionalsender. Seit Ende 2010 kann auch Ö1 in den meisten Tunnelanlagen empfangen werden. Zudem nutzen viele Privatsender diese Möglichkeit zur rauschfreien Programmausstrahlung. Sicherheit optimiert wird einerseits durch das Empfangen von aktuellen Verkehrsnachrichten. Andererseits können die ASFINAG Tunneloperatoren – über die Frequenz der Verkehrsnachrichten – Informationen aus der Zentrale an die Autofahrer senden. Sollte sich zum Beispiel ein Unfall ereignen, kann der Operator in der Überwachungszentrale die Fahrzeuglenker sofort informieren.

Thermoscanner

Im Mai 2012 wurde vor dem Karawankentunnel Europas modernster Thermoscanner installiert. Alle Schwerfahrzeuge über 7,5 Tonnen werden automatisch durch dieses Portal geleitet, von fünf Scannern und zwei Infrarotkameras gescannt und im Falle einer Überhitzung (Motor, Bremsen, Turbolader, Reifen) zum Abkühlen ausgeleitet.

Notrufeinrichtungen

Im Tunnel sind die Notrufeinrichtungen in begehbaren, ausgeleuchteten Nischen etwa alle 125 Meter untergebracht. Im Portalbereich befinden sich die Notrufeinrichtungen in einer geschlossenen Kabine. Das Öffnen der Türe wird mittels Türkontakt überwacht. Der Notruf wird über den Hörer abgesetzt und ist ohne zeitliche Verzögerung von der Zentrale örtlich zuordenbar. Notsignale – SOS oder Brand – können mit Handgefahrenmelder gesetzt werden.

Verkehrskameras

Jeder Tunnel ist mit Kameras ausgestattet, die Bilder in die regionalen Verkehrsmanagementzentralen übertragen. Sensoren im Tunnel geben ferner Auskunft über Verkehrsaufkommen, Sicht oder Luftverhältnisse. Im Störungsfall kann der Verkehr zeitnah durch die Operatoren in den regionalen Zentralen oder durch die nationale Verkehrsmanagementzentrale Wien gelenkt werden.

Bestens bewährt: Der Thermoscanner

Seit Mai 2012 ist er in Betrieb: Der Thermoscanner vor dem Karawankentunnel-Nordportal. Seither wurden bereits knapp 500 überhitzte Lkw oder Busse vom Thermoportal automatisch erkannt, gestoppt und so rechtzeitig an der Fahrt durch den Tunnel gehindert.

Bestens bewährt hat sich das Thermoportal vor dem Karawankentunnel: Knapp 500 überhitzte Lkw oder Busse hat das Hightech Gerät dort seit Inbetriebnahme im Mai 2012 automatisch erkannt, gestoppt und so rechtzeitig an der Fahrt durch den Tunnel gehindert. Die Investition von 1,3 Millionen Euro hat sich damit vielfach bezahlt gemacht. Mit diesem modernen  System ist die ASFINAG Vorreiter in ganz Europa und wurde dafür vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie mit dem Staatspreis für Mobilität ausgezeichnet.

 

Jetzt kommt der Thermoscanner auch bei anderen Tunnelanlagen zum Einsatz. Aufgebaut ist ein derartiges Thermoportal bereits beim Arlbergstraßentunnel auf der S 16 zwischen Tirol und Vorarlberg. Weitere Einsätze sind geplant.

So funktioniert der Thermoscanner

Lkw und Busse über 7,5 Tonnen werden vor dem Karawankentunnel auf der A 11 durch das Thermoportal geführt. Sieben Kameras, darunter zwei Infrarotkameras, erfassen in weniger als sechs Sekunden, ob das Fahrzeug überhitzt ist – etwa Motor, Bremsen oder Räder. Ist das Schwerfahrzeug überhitzt, schließt sich ein Schranken – das Fahrzeug darf nicht in den Tunnel. Zugleich erhalten die Brandschutzgruppe der ASFINAG vor Ort oder die Überwachungszentrale in Klagenfurt einen Alarm, um mit dem Fahrzeuglenker Kontakt aufnehmen zu können. Nach einer Abkühlphase oder auch Fehlerbehebung kann das Schwerfahrzeug den Scanner erneut passieren und in Folge – wenn die Temperaturen entsprechend gesunken sind – durch den Tunnel fahren.

 

Laserscanner vermessen den Lkw von allen Seiten

 

Laserscanner vermessen und erfassen den Lkw von allen Seiten.

3D Bild der gescannten Daten.

Die Daten werden zu einem 3D Bild kombiniert.

Wärmebildkameras überprüfen die Fahrzeugtemperatur.

Wärmebildkameras messen die Außentemperatur des Fahrzeuges und machen kritische Stellen sichtbar.

Kameras überprüfen Lkw und Busse

Staatspreis an ASFINAG für Einsatz des Thermoscanners

Der Staatspreis Mobilität ist die höchste Auszeichnung, die das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie an österreichische Unternehmen und Institutionen verleiht.

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AKUT - Tunnel mit "Ohren"

Um Tunnel mittel- und langfristig noch sicherer zu machen, haben die ASFINAG und Joanneum Research seit 2012 AKUT entwickelt. AKUT steht für akustisches Tunnelmonitoring, ein international einmaliges Hightech-Sicherheitsprojekt, welches Unfallgeräusche im Tunnel erkennt und in der Folge Alarm auslöst.

So funktioniert AKUT

Die im Tunnel eingebauten Spezialmikrofone sind im Abstand von maximal 125 Metern immer direkt neben einer Videokamera eingebaut. Mit ihnen werden alle Geräusche im Tunnel aufgenommen. Alle Geräusche werden in einer Datenbank gespeichert. Hieraus errechnet die Software typisch "normale" Geräusche und reagiert mit Alarm, sobald ungewöhnliche Geräusche, wie jene von Vollbremsungen oder Reifenplatzern auftreten. In diesem Fall wird in der zuständigen ASFINAG-Überwachungszentrale sofort die Kamera neben dem auslösenden Mikrofon aufgeschalten.

 

Was bringt AKUT?

Die Software der "Tunnelohren" ist lernend, entwickelt sich also weiter und wird dadurch auch immer genauer. Der Vorteil dieser Überwachung liegt klar auf der Hand: Zeit. Der Alarm wird früher ausgelöst als beispielsweise durch Videodetektion. Bis zu zweieinhalb Minuten schneller können so Einsatzkräfte von unserer Überwachungszentrale aus alarmiert werden.  Zeit, die im Ernstfall Leben retten kann. Die Vorteile auf einen Blick:

  • Unfälle können mit diesen „Ohren" früher erkannt werden, eine schnellere Reaktion ist also möglich. Die Akustik erkennt Ereignisse um bis zu zweieinhalb Minuten schneller als eine Videoanlage.
  • Die Akustik ist auch bei vollständig verrauchten Tunnelanlagen wirksam.
  • Man kann Personen lokalisieren, die sich außerhalb des Sichtfeldes der Videokameras befinden.

 

Beispiel: Fahrzeugbrand im Kirchdorftunnel auf der S 36 Brucker Schnellstraße

Beispiel: Fahrzeugbrand im Kirchdorftunnel auf der S 36 Brucker Schnellstraße

 

Aus der Grafik geht hervor, dass AKUT einen wesentlichen Zeitvorteil bringt. Der Fahrzeugbrand ereignete sich in der Oströhre des Tunnels Kirchdorf, wobei ein bereits brennender Pkw in den Tunnel einfuhr und nach einigen hundert Metern zum Stillstand kam. Nachdem der Fahrer ausgestiegen war, entwickelte sich ein Vollbrand des Pkw.


In der abgebildeten Alarmierungskette ist zu erkennen, dass das AKUT-System bereits 2 Minuten 20 Sekunden früher alarmiert hat. Auslöser war das Geräusch "Türenschlagen". Der Zeitvorsprung zur Videodetektion kann speziell bei einem Fahrzeugbrand von großer Bedeutung und lebensrettend sein. Gemäß Expertise der Feuerwehr reichen im Tunnel etwa zwei Minuten zum Entstehen eines Vollbrandes.

 

Weitere "Tunnelohren" folgen

Nach dem erfolgreichen Piloteinsatz im Kirchdorftunnel auf der S 35 Brucker Schnellstraße in der Steiermark wird das Projekt AKUT in den kommenden Jahren auf weitere Tunnel im ASFINAG Netz ausgerollt. Bereits im Einsatz ist AKUT derzeit in der neu errichteten Röhre des Bosrucktunnels auf der A 9 Pyhrn Autobahn zwischen Oberösterreich und der Steiermark sowie im Tunnel Götschka auf der S 10 Mühlviertler Schnellstraße in Oberösterreich.

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