24.01.2024

Gravierendes Fehlverhalten ist die häufigste Ursache von Geisterfahrten

Bessere Beschilderung im Knoten Villach umgesetzt; Baustellen werden regelmäßig überprüft

Wie die Ö3-Statistik aus 2023 zeigt, ist die Zahl der Meldungen über Falschfahrende auf den österreichischen Autobahnen und Schnellstraßen im Vergleich zu 2022 gestiegen (von 390 auf 444). Bei insgesamt 14 Unfällen gab es zwei Todesopfer und 23 verletzte Personen.

Die Hauptgründe für Geisterfahrten sind gravierendes Fehlverhalten des Lenkers oder der Lenkerin. Neben Ablenkung beziehungsweise Unaufmerksamkeit zählen laut Ö3-Statistik vor allem Alkohol- und Drogeneinfluss, allgemeine Verwirrtheit und Überforderung zu den meisten Ursachen. Immer öfter ist auch das „blinde Vertrauen“ in das Navigationsgerät der Auslöser. Bestes Beispiel war jüngst ein Lenker, der im Plabutschtunnel von seinem Navi aufgefordert wurde, zu wenden - und das in einer Pannenbucht auch prompt tat. Der Lenker wurde noch im Tunnel von der Polizei angehalten.

Alle Daten über Geisterfahrten-Meldungen werden von der ASFINAG jedes Jahr zusammen mit den Unfalldaten des Innenministeriums analysiert, um Problembereiche erkennen und geeignete Maßnahmen einleiten zu können, wo sie möglich sind. „Wir als Autobahnbetreiber überprüfen laufend zum Beispiel Anschlussstellen auf Verbesserungen bei der Beschilderung und bei der Bodenmarkierung“ sagt ASFINAG-Verkehrssicherheitsexperte Bernhard Lautner. „Auch Baustellen werden genau auf mögliche Problembereiche gecheckt.“

 

Mitten auf der Autobahn aus Ungeduld einfach umgedreht

„Den Faktor Mensch können wir aber nur sehr bedingt beeinflussen“, so Lautner. Das wird auch von gleich drei konkreten Fällen in Kärnten im Großraum Villach untermauert, in dem es im Vorjahr mit 62 Meldungen zu mehr Geisterfahrer:innen-Meldungen kam als im Jahr 2022 mit 54 Meldungen. Anfang Juli verloren drei Lenker vor dem gesperrten Karawankentunnel die Geduld, drehten einfach um und wurden so zu Geisterfahrern. Auch einer der beiden tödlichen Unfälle ereignete sich in Kärnten: Grund war eine schwere Alkoholisierung der Geisterfahrerin, die dabei selbst ums Leben kam.

 

Mehr Beschilderung und Farb-Hinweise im Knoten Villach

Die hohe Zahl an Geisterfahrten im Knoten Villach, wo drei Autobahnen zusammentreffen (A 2, A 10 und
A 11), war aber natürlich bereits im Vorjahr Anlass, eventuelle Verbesserungen bei der „Lenkerführung“ umzusetzen. Denn vor allem unaufmerksame Lenker:innen, die sich zu spät auf die richtige Fahrspur einreihen, wurden zu Geisterfahrern, indem sie im Retourgang ihren Orientierungsfehler ausbessern wollten. Bereits vor dem Sommer 2023 wurden daher die Richtungen Italien und Slowenien auf den Schildern mit Farbhinweisen ersichtlicher gemacht. Zusätzliche seitliche Beschilderungen verdeutlichen nochmals, auf welcher Spur man sich einreihen muss.

 

Zehn Prozent der Falschfahrer werden aufgehalten

Bei nur etwa zehn Prozent der Geisterfahrer-Meldungen wird der „Geist“ übrigens auch sichtbar. Und in fast allen Fällen zeigte sich, dass die Lenkerin oder der Lenker betrunken oder aus anderen Gründen beeinträchtigt und somit fahruntauglich war. Lautner: „Bei bewusstem menschlichen Fehlverhalten helfen also auch unsere besten Sicherheitsmaßnahmen nichts.“

Dass nicht hinter jeder Wahrnehmung tatsächlich ein Falschfahrender steckt, soll jedoch niemals davon abhalten, bei Polizei oder Verkehrsfunk Alarm zu schlagen. „Es geht um Menschenleben, besser einmal zu viel gewarnt als einmal zu wenig“, versichert Lautner.

 

So verhalten Sie sich bei einer Geisterfahrerwarnung richtig:

  • Bewahren Sie Ruhe
  • Reduzieren Sie die Geschwindigkeit
  • Erhöhen Sie den Abstand zum Auto vor Ihnen
  • Reihen Sie sich auf den rechten Fahrstreifen ein und überholen Sie nicht
  • Bleiben Sie nach Möglichkeit beim nächsten Parkplatz/Rastplatz stehen und warten Sie, bis es Entwarnung gibt