24.08.2022

Großübung im Tunnel Kaisermühlen – schwerer Verkehrsunfall mit eingeklemmten Personen und mehreren Verletzten

Rund 100 Einsatzkräfte probten den Ernstfall; Übung erfolgreich verlaufen

Ein Linienbus, vollbesetzt mit Fahrgästen ist umgekippt. Menschen sind eingeklemmt, viele davon haben schwere Verletzungen. Die nachkommenden Autofahrenden sind geschockt, wollen helfen und verlassen ihre Autos. Nichts geht mehr im Tunnel Kaisermühlen auf der A 22 Donauuferautobahn. Eine Situation, die niemand erleben will. Umso wichtiger ist es, dass Einsatzkräfte auf Ernstfälle bestens vorbereitet sind. Rund 100 von ihnen nahmen daher gestern an einer Großübung teil. „Solche Übungen sind ein absolutes Muss“, sagt Günter Rattei, Leiter des ASFINAG Tunnelmanagements. „Von der reibungslosen Abwicklung und der guten Kommunikation unter den Beteiligten hängen Menschleben ab.“  Neben der Absicherung von Unfallstellen durch Polizei und ASFINAG hat vor allem die Feuerwehr bei derartigen Einsätzen eine entscheidende Rolle. Denn noch bevor die ärztliche Betreuung der Unfallopfer erfolgen kann, gilt es, eingeklemmte Personen aus den Fahrzeugen zu befreien. Oberbrandtrat Ing. Christian Feiler von der Berufsfeuerwehr Wien: „Die Ziele der gestrigen Übung im Kaisermühlentunnel waren Suchen, Retten, Bergen und die Verkehrswege wieder befahrbar machen“. Auch der Check, ob die Alarmierungskette und die Kommunikation untereinander funktionieren, war ein wesentlicher Bestandteil. Das Fazit: Alle Schwerpunkte haben bestens geklappt. Das bestätigen auch Tunnelmanager Rattei und Oberbrandrat Feiler: „Alle Einsatzkräfte agierten hochprofessionell und haben bewiesen, dass sie auch für so einen Extremfall bestens gerüstet sind.“

Gemeinsam für mehr Sicherheit – unter diesem Motto stehen alle Einsatzübungen. Besonders wichtig dabei ist die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Organisationen. Dreh- und Angelpunkt innerhalb der ASFINAG sind bei großen Ereignissen die regionalen Verkehrsmanagement-Zentralen sowie die nationale Zentrale in Wien-Inzersdorf mit den „Chefs vom Dienst“. Weiters bei Einsätzen mit dabei sind die Tunnel-Betriebs-Technik und die Traffic Manager. An dieser Großübung in Wien haben weiters teilgenommen: die Berufsrettung Wien, die Berufsfeuerwehr Wien sowie die Landesverkehrsabteilung Wien und mehr als 60 freiwillige Statist:innen.

 

Übungen sind per Gesetz vorgeschrieben

Im Abstand von höchstens vier Jahren müssen in Tunnel, die länger als 500 Meter sind, Großübungen mit allen Einsatzorganisationen stattfinden. Geplant sind heuer 20 von der ASFINAG organisierte und geleitete Einsatzübungen.

 

Der Tunnel Kaisermühlen

Der mehr als zwei Kilometer lange Kaisermühlentunnel ist der am stärksten befahrene Autobahntunnel in Österreich. Pro Stunde durchfahren ihn mehr als 3.000 Fahrzeuge. Der Kaisermühlentunnel wurde 2018 auf den neuesten Stand der Technik gebracht. So verfügt er über das akustische Alarmsystem AKUT. Dieses System erkennt untypische Geräusche im Tunnel und schlägt blitzschnell Alarm. Weiters wurde der Tunnel mit LED-Straßenbeleuchtung ausgestattet sowie mit einer Hightech Tunnellüftung. Sechs sehr große und 34 etwas kleinere Lüfter im Tunnelinneren befördern im Brandfall die Rauchgasse mit einer Strömungsgeschwindigkeit von etwa zwei Metern pro Sekunde aus dem Tunnel. Die Lüfter sind dabei so aufeinander abgestimmt, dass es gelingt, die gefährlichen Rauchgase zu lenken, und damit alle Fluchtwege in die Nebenröhre frei von Rauch zu halten. Bei dieser Generalerneuerung wurden auch die klassischen Notrufeinrichtungen (in insgesamt 50 Nischen) erneuert. Aktuell bringt die ASFINAG zusätzlich die Funktechnik des Tunnels auf den Stand der Technik. Der Kaisermühlentunnel verfügt bereits seit mehr als 15 Jahren über eine stationäre Section Control Anlage. Seit der Inbetriebnahme im Jahr 2003 sind die Unfälle dort um 50 Prozent zurückgegangen, seit damals gab es außerdem keinen tödlichen Unfall.