26.05.2021

Luegbrücke erhält für restliche Lebensdauer „Sicherheitsnetz“

Die ASFINAG wird bei der Luegbrücke auf eine Null-Risikostrategie setzen. Um die wichtige Verkehrsverbindung weiterhin sicher zu gewährleisten, erfolgen bis spätestens Ende 2022 umfangreiche Maßnahmen, um der Brücke ein „Sicherheitsnetz“ zu geben. Mit einem eigenen Stahl-Fachwerk, das unter die Brücke gebaut wird, geht die ASFINAG keine Kompromisse in Sachen Sicherheit ein. Obwohl die Brücke absolut sicher ist, will die ASFINAG die Risiken in Richtung Null reduzieren. Grund für diese umfangreichen Maßnahmen sind vor allem die zeitlichen Verzögerungen, die nach wie vor verhindern, dass ein klarer Startschuss für die geplante Wiederrichtung feststeht. Für die ASFINAG ist klar: Eine Tunnellösung ist spätestens seit Vorliegen des Bergmeister-Gutachtens vom Tisch. Vielmehr appelliert die ASFINAG an alle Beteiligten, im Sinne der Aufrechterhaltung des Verkehrs und der Sicherheit zusammenzuarbeiten. Deswegen wurden bereits heute Gespräche hinsichtlich einer möglichen Einigung zum Betriebs- und Erhaltungsweg mit der Gemeinde und der zuständigen Behörde gestartet.

Unterstellung mit Stahl-Fachwerk für den „Fall der Fälle“

Mehr als 18 Millionen Euro investiert die ASFINAG in das geplante „Sicherheitsnetz“. Dabei wird betont, dass dies keine Verstärkung oder Sanierung der Brücke ist, sondern ein Sicherheitstragwerk für den Fall, dass Konsolen oder Fugen des Bauwerks nicht mehr den hohen Sicherheitsansprüchen genügen sollten. Die Arbeiten dazu sollen noch heuer nach der Ausschreibung der Bauleistungen starten, bis Ende 2022 muss dieses Vorhaben abgeschlossen sein. Da bislang auch keine Einigung für den Betriebs- und Erhaltungsweg mit der Gemeinde vorliegt, plant die ASFINAG diese Arbeiten in jener Form, dass von der Brücke aus direkt gearbeitet wird. Das bedeutet: Für die Einhebung der bis zu acht Meter hohen Träger wird es notwendig sein, den Verkehr teilweise einspurig zu führen. Darüber hinaus verdichtet die ASFINAG das Monitoring der Brücke.

Luegbrücke ist absolut sicher, „Sicherheitsnetz“ alternativlos

An vier Stellen errichtet die ASFINAG unter der Luegbrücke Stahl-Fachwerke. Diese gewährleisten bei einem eventuellen Problem an den Konsolen oder den Fugen, dass die Brücke weiterhin sicher „aufliegen“ kann. Obwohl die ASFINAG nicht mit diesem Fall der Fälle rechnet, kann es trotzdem auch nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden. Der Vorfall Morandi-Brücke hat dazu geführt, dass die hohen Sicherheitsansprüche der ASFINAG noch weiter verschärft wurden. Im Falle der Luegbrücke gibt es nicht zuletzt deshalb eine Null-Risiko-Bereitschaft. Das bedeutet im Klartext: mit dem geplanten „Sicherheitsnetz“ reduziert die ASFINAG mögliche Risiken auf ein absolutes Minimum und sorgt dafür, dass die Luegbrücke genauso wie alle anderen Brücken im ASFINAG-Netz den Sicherheitsansprüchen genügen wird. Aber auch das hat im Falle der Luegbrücke ganz klar gesagt ein Ablaufdatum.

Die Unterstellungen sind die logische Weiterführung bereits umgesetzter Maßnahmen an der Brücke. So hat die ASFINAG praktisch jedes Jahr an der Brücke notwendige Sanierungen durchgeführt, dazu zählen auch sogenannte Pfeilerrückstellungen. Darüber hinaus wurde eine neue Verkehrsführung auf der Brücke eingerichtet, die dafür sorgt, dass der Verkehr mit zwei Spuren pro Richtung zur Brückenmitte hin verschoben wurde. Dadurch erfolgt eine Entlastung der Randbereiche der Brücke – in Verbindung mit einer Geschwindigkeitsreduktion auf 60 km/h. Als nächsten Schritt wird die Sperrlinie in den Außenbereichen der Fahrbahnen mit niedrigen Leitwänden ausgestattet, um zu verhindern, dass diese Bereiche befahren werden.

Bis Ende 2022 erfolgt der Einbau des Stahl-Fachwerks unter der Brücke. Die ASFINAG geht dann davon aus, dass die Sicherheitsansprüche für die Restlebensdauer des alten Tragwerks gewährleistet bleiben. Das bedeutet aber auch, dass die seit Jahren geplante Wiederrichtung mit einem neuen Tragwerk die einzige Lösung sein wird, um in diesem Bereich eine langfristige, nachhaltige Verkehrslösung zu gewährleisten.

So funktioniert der Einbau des „Sicherheitsnetzes“

Die ASFINAG hat stets in offener Art und Weise gegenüber Öffentlichkeit und Beteiligten betont, dass die Zeit für eine Wiederrichtung drängt. Da sich ein ursprünglich für 2020 geplanter Baubeginn aufgrund der kontroversen Diskussionen um Jahre weiterhin verzögert, muss die ASFINAG im Sinne der Verantwortung für die Brücke reagieren. Nur dadurch kann jetzt gewährleistet werden, dass der Übergang vom alten Bauwerk unter Verkehr auf ein neues Brückentragwerk wie ursprünglich geplant weiterhin funktionieren wird – und zwar ohne Sicherheitsbedenken oder möglicher Verkehrsbehinderungen wie etwa längerfristige Einspurigkeiten samt massiver Rückstaus.

Die ASFINAG hat vier Stellen (Abbildung 1) an der Brücke identifiziert, bei denen ein Risiko für etwaige Probleme bestehen würde. Diese sogenannten Konsolen samt Fugen (Abbildung 2) sind wesentliche Komponenten der Brücke und können bei technischen Problemen oder gar einem Versagen dafür sorgen, dass die Brücke aus Sicherheitsgründen gesperrt werden muss.

Um diese Situation zu verhindern, errichtet die ASFINAG nach bereits erfolgten Begleitmaßnahmen unter diesen vier Stellen Stahl-Fachwerke, die einzig und allein „für den Fall der Fälle“ da sein werden.

Die Einhebung der notwendigen Bauteile für die Unterstellung, unter anderem die acht Meter hohen Träger, erfolgt von der Brücke aus (Abbildung 3). Dafür muss dann auf einer Richtungsfahrbahn der Verkehr auf eine Spur reduziert werden. Die ASFINAG wird alles daran setzen, möglichst viele dieser Maßnahmen in der Nacht durchzuführen. Zur Gänze ist dies jedoch nicht möglich.

Im Endzustand wird das „Sicherheitsnetz“ in Form des Stahl-Fachwerks unter diesen vier Punkten platziert sein. Selbst im Falle eines Versagens in diesen Risiko-Bereichen – von dem die ASFINAG derzeit aber nicht ausgeht – kann die Brücke nach einer anfänglichen Sperre und Begutachtung durch Experten mit hoher Wahrscheinlichkeit dann wieder zumindest teilweise für den Verkehr freigegeben werden.

Letzte Sicherheitsmaßnahme wäre Reduktion des Verkehrs

Für die Verkehrsteilnehmenden bedeutet der Einbau des „Sicherheitsnetzes“, dass es zeitweise bis Ende nächsten Jahres zu Behinderungen kommen wird. Eine Reduktion auf eine Spur sorgt auf der Brennerautobahn für Rückstau, soll jedoch so geplant werden, dass diese Einschränkungen in verkehrsarmen Zeiten wie etwa in der Nacht erfolgen sollen.

Beim Blick in die Zukunft spricht die ASFINAG Klartext: sollte es nicht gelingen, das alte Bauwerk im Zuge der Neuerrichtung der Brücke rechtzeitig außer Dienst zu stellen, ist auch eine permanente Einspurigkeit nicht ausgeschlossen. Das würde in jedem Fall zu umfangreichen Staus im gesamten Korridor Kufstein-Brenner führen bzw. auch die Anrainergemeinden mit einer deutlichen höheren Verkehrsbelastung auf den Ortsdurchfahrten konfrontieren.

Betriebs- und Erhaltungsweg

Nach Abschluss der Errichtung der Unterstellungen bis Ende 2022 sind in jedem Fall weitere Vorkehrungen für die Erhaltung der bestehenden Brücke notwendig. Unter anderem müssen noch weitere Pfeilerrückstellungen bzw. entsprechende Sanierungen der Fundamentbereiche in den kommenden Jahren durchgeführt werden. Um dies gewährleisten zu können, ist die Errichtung und Nutzung des Betriebs- und Erhaltungswegs absolut notwendig.  Zusätzlich muss auch dieses „Sicherheitsnetz“ ständig gewartet und überprüft werden – dies sollte ebenfalls mit Hilfe des Betriebs- und Erhaltungsweg sichergestellt werden.

Die ASFINAG hat deswegen heute weitere Gespräche mit der Gemeinde sowie der zuständigen Behörde geführt, um die Umsetzung dieses Wegs in möglichst rascher Zeit zu ermöglichen. Der Ausgang dieser Gespräche ist zwar noch offen, die ASFINAG hat jedoch im Rahmen dessen die Notwendigkeit in aller Deutlichkeit klargestellt.