02.06.2022

Vorzeigeprojekt S 7 Fürstenfelder Schnellstraße bringt Flora und Fauna in Schwung

Geschützte Tiere und Pflanzen haben hunderte Hektar Ausgleichsflächen besiedelt

Die S 7 Fürstenfelder Schnellstraße von Riegersdorf in der Steiermark bis Heiligenkreuz an der ungarischen Grenze macht nicht nur den Verkehr künftig sicherer und entlastet die Menschen vom Durchzugsverkehr, sondern entpuppt sich bereits jetzt als Paradebeispiel für Umwelt- und Naturschutz. Dafür sorgen die riesigen Ausgleichsflächen, die mehr als das Sechsfache der für den Straßenbau benötigten Fläche ausmachen!

Eine erste Zwischenbilanz der von der ASFINAG beauftragten und auf Umweltbegleitung spezialisierten Unternehmen, zeigt, dass die Maßnahmen allesamt bereits große Erfolge sind und sich sowohl geschützte Tiere als auch Pflanzen angesiedelt haben, wie die ASFINAG-Umweltexpertin Irina Langegger bestätigen kann. Die erfreulichen Fakten kann der Ökologe Christian Gissing vom Grazer Unternehmen „freiland ZT GmbH“ liefern. „Beim jüngsten Monitoring haben wir erneut die seltene und geschützte Libellenart Vogel-Azurjungfer entdeckt. Ebenso haben mehrere geschützte Vogelarten, darunter der Flussregenpfeifer, der Bruchwasserläufer und der Kiebitz, in der Oststeiermark und im Südburgenland neue Lebensräume gefunden. Durch den angepassten Mähzeitpunkt werden die Nester und die Jungvögel optimal geschützt.“

Die Liste an Tieren und Pflanzenarten, die erst durch die Errichtung der S 7 neue und für immer geschützte Lebensräume finden konnten, ist lang und reicht von Schmetterlingen über Zauneidechse, verschiedene Amphibienarten und Bachmuscheln bis hin zu Fledermäusen sowie von Heidenelke über Fünfzahl-Weißmiere bis hin zum Großen Wiesenknopf, der wiederum eine wesentliche Futterquelle für die Raupen der geschützten Schmetterlingsart Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist.

 

Einige weitere Fakten:

  • Mehr als 200 Nistkästen als Ersatzquartiere für Fledermäuse wurden angebracht, die auch bereits entsprechend bewohnt werden.
  • Horste für Schwarzstörche wurden errichtet, die ebenfalls schon bezogen wurden, inklusive Storchen-Nachwuchs.
  • Steinhaufen und weitere Trockenlebensräume für Reptilien wurden angelegt, auch bei diesen ist Nachwuchs bereits nachgewiesen.
  • Eine ehemalige Schottergrube im Bereich der S 7 West wurde aufgefüllt und in Summe eine Fläche von 15 Hektar so adaptiert, dass sie für bodenbrütende Vögel ideal ist. Kiebitz, Rebhuhn, Wachtel, Flussregenpfeifer wurden bereits gesichtet. „Die Fläche hat sich zudem zu einem Hotspot für Ornithologen entwickelt, weil sie auch von vielen Zugvögeln zum Zwischenstopp genutzt wird“, sagt Langegger. „Und dass der Kiebitz auch in den Ausgleichsflächen brütet, ist ein besonderer Erfolg, da die meisten Nester durch die landwirtschaftliche Tätigkeit zerstört werden. Magere, artenreiche Vegetation als Grundlage für eine hohe Artenvielfalt und damit für eine gute Nahrungsversorgung der Jungvögel und die Anlage von Feuchtsenken überzeugten die Watvögel sich in den Ausgleichsflächen niederzulassen und für Fortpflanzung zu sorgen.“
  • Im Ostabschnitt der S 7 wurden insgesamt sechs Teiche mit je etwa 500 Quadratmeter Wasserfläche errichtet. Diese Stillgewässer stehen ausschließlich der Natur zur Verfügung und wurden binnen kürzester Zeit von zahlreichen Pflanzen- und Tierarten erobert. Darunter auch geschützte Tierarten wie Grünfrösche, Springfrösche, Kröten, Unken, Teichmolche, Alpen-Kammmolche, Ringelnattern und zahlreiche weitere, wie etwa Libellen und Ruderwanzen.
  • Ergänzt wurden diese Arten mit einem aufwändigen Ansiedelungsprojekt der Knoblauchkröte. Die Knoblauchkröte kommt nur noch selten im Umfeld der S 7 vor und war früher zahlreich vertreten. Im Rahmen der Errichtung der S 7 wurden Kaulquappen aus stabilen Populationen in der Südsteiermark unter fachkundiger Anleitung entnommen und in einige der neu errichteten Teiche verbracht, damit die Knoblauchkröte auch in Zukunft wieder einen Lebensmittelpunkt in der Region hat.

 

Neuanlage von Wiesen, Brachen als Rückzugsmöglichkeit

Eine besondere Herausforderung galt der Neuanlage von Wiesen. Alte, extensiv bewirtschaftete Wiesen sind nur noch in kleiner Anzahl im Projektgebiet vorhanden. Im Rahmen der Errichtung der S 7 wurden mit dem aufwändigen Verfahren der Mähgutübertragung wieder neue Wiesen angelegt. Dazu wurden von der fachkundigen Umweltbaubegleitung geeignete Spenderwiesen von landwirtschaftlichen Betrieben aus der Gegend und aus einem angrenzenden Natura 2000-Gebiet identifiziert und die Flächen zum idealen Zeitpunkt gemäht. Das Mähgut wurde dann auf die vorbereiteten Zielflächen übertragen. Durch diese Methode gelang es, geschützte Pflanzenarten wie die Heidenelke und die Fünfzahl-Weißmiere zu vermehren und auf den Ausgleichsflächen zu etablieren. In diesen Lebensräumen ist die Wildbienenanzahl deutlich höher als in anderen Lebensräumen in der Gegend, was zu einer höheren Bestäubungsleistung beiträgt und damit auch zu mehr Ertrag in der Landwirtschaft führt.

Eine besondere Bedeutung für die Tierwelt haben die zahlreich angelegten Brachen. Sie bieten Rückzugsmöglichkeit und Lebensraum für viele Tierarten, wenn die landwirtschaftlichen Flächen bereits abgeerntet wurden und den Tieren dann nicht mehr zur Verfügung stehen. So wurde von der Jägerschaft mitgeteilt, dass erst seit der Anlage der Ausgleichsflächen ein zweites Gelege der Rebhühner durchkam.

 

530 Hektar Ausgleichsflächen entlang der S 7

In Summe sind es etwas mehr als 530 Hektar (das sind 5,3 Millionen Quadratmeter oder die Fläche von 880 Fußballfeldern), die entlang der knapp 30 Kilometer langen Fürstenfelder Schnellstraße von der ASFINAG erworben wurden, um Flora und Fauna einen künftig geschützten Lebensraum anbieten zu können. 277 Hektar davon entfallen auf den Ostteil, 255 Hektar auf den Abschnitt West, der zum Großteil in der Steiermark liegt. Der Großteil dieser Flächen sind Wiesen, Brachen und Wälder, die entweder gesichert, verbessert oder auch neu angelegt wurden. Errichtet wurden aber auch zahlreiche Amphibienteiche und Hecken. Diese Investition in die Natur macht mit etwa 200 Millionen Euro daher auch einen guten Teil der Gesamtinvestition bei der S 7 aus.