06.10.2021

ASFINAG startet Sicherheits-Kampagne „Danke, dass du aufpasst“

2020 ereigneten sich auf Österreichs hochrangigen Straßen neun Unfälle, bei denen ASFINAG Mitarbeitende zu Schaden gekommen sind. Insgesamt verzeichnete das Unternehmen im Zuge des täglichen Autobahnbetriebes im Vorjahr 29 Unfälle mit ASFINAG Beteiligung. Und auch heuer passierten im ersten Halbjahr bereits vier fremdverschuldete Unfälle bei Service-Arbeiten unter Verkehr. Jedes Jahr werden rund 20 Warnleiteinrichtungen und Anpralldämpfer von Lenkerinnen und Lenkern „erwischt“, weil diese eine Baustellenabsperrung oder eine Absicherung durch ein ASFINAG Fahrzeug „übersehen“.

Auf dem mehr als 2.200 Kilometer langen Autobahnen- und Schnellstraßen-Netz werden jedes Jahr rund 10.000 Tagesbaustellen und mehr als 300 längerfristige Bauarbeiten durch externe Aufragnehmer abgewickelt. Im Vorjahr passierten auf diesen insgesamt etwa 10.300 Baustellen 142 fremdverschuldete Unfälle durch Pkw- oder Lkw-Lenkende. Unfallursache im Großteil der Fälle: Unachtsamkeit und Ablenkung.

Zur Bewusstseinsbildung, dass bei allen Arbeiten auf der Autobahn Menschen im Einsatz sind, startet die ASFINAG ab sofort eine umfassende Kampagne mit dem Titel „Meine Mama/mein Papa arbeitet für dich – Danke, dass du aufpasst“. Die „Botschafter“ dahinter: Kinder von ASFINAG Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Die Kampagne "Danke, dass du aufpasst"

Ziel der einen Monat lang laufenden Kampagne der ASFINAG ist es, das Bewusstsein der Verkehrs-teilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer zu schärfen, dass hinter allen Tätigkeiten die auf den Autobahnen und Schnellstraßen abgewickelt werden, Menschen stehen. Dabei setzt die ASFINAG bewusst auf eine starke Bildsprache. Diese Kampagne soll positive Gefühle erzeugen, nicht belehren. Erreicht wird das mittels Plakaten entlang des gesamten Streckennetzes – mit Kindern von ASFINAG Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie dem Slogan: „Meine Mama/mein Papa arbeitet für dich – Danke, dass du aufpasst“. Infos dazu unter: https://www.asfinag.at/arbeitssicherheit

Weiters setzt die ASFINAG auf:

  • Radiospots
  • Banner auf reichweitenstarken Online-Plattformen
  • Beiträge in den sozialen Netzwerken

Arbeitsplatz Autobahn

Zu den jährlichen rund 10.000 Tagesbaustellen der ASFINAG zählen unter anderem Grünschnitt, Kleinflächensanierungen oder auch Wartungsarbeiten im Freiland oder den Tunnels. Ebenfalls direkt auf der Strecke erfolgen Tätigkeiten wie Unfallabsicherungen oder Maut- und Vignettenkontrollen. Insgesamt sorgen damit täglich rund 1.000 ASFINAG Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für einen reibungslosen Autobahnbetrieb auf dem mehr als 2.200 Kilometer langen Streckennetz. Dazu gehören in erster Linie die Teams des Service- und Kontrollmanagements (Maut/Vignettenkontrollen), die mehr als 40 Autobahnmeistereien sowie die Traffic Manager und die Mitarbeitenden des Erhaltungsmanagements für Tunnel und Freiland.

Trotz modernster Absicherungen und elektronischer Vorankündigungen kommt es immer wieder zu Unfällen mit ASFINAG Beteiligung. Alleine im Vorjahr – und das trotz des Lockdown-bedingt verringertem Verkehrsaufkommens – waren es insgesamt 29 Unfälle. Bei neun davon waren Mitarbeitende direkt verwickelt und damit Leidtragende. 2021 verzeichnet die ASFINAG im ersten Halbjahr bereits vier fremdverschuldete Unfälle. Drei Mitarbeitende des Unternehmens wurden dabei schwer verletzt.

Unfallursache Nr. 1: Ablenkung und Unachtsamkeit

Ablenkung – und damit auch Unachtsamkeit – ist vor Übermüdung, zu hohem Tempo und zu wenig Abstand immer noch Unfallursache Nummer Eins auf Autobahnen. Eine 2018 durchgeführte IFES-Umfrage im Auftrag der ASFINAG zeigte: Acht von zehn Lenkerinnen und Lenkern sagen, dass das Schreiben oder Lesen von Nachrichten stark ablenkt.  ABER: Ein Drittel gab zu, das Handy hinter dem Steuer dafür zu benützen, obwohl es verboten ist. Dabei klar auf dem Vormarsch: Fotos oder Videos mit dem eigenen Smartphone. Fast 40 Prozent der damals Befragten sagten, dass sie schon Motive während der Fahrt aufgenommen haben.

Maßnahmen für mehr Arbeitssicherheit auf der Strecke

Bereits seit vielen Jahren optimiert die ASFINAG laufend die Sicherheitsvorkehrungen für Arbeiten unter Verkehr. Zwar sind grundsätzliche Eckpunkte wie beispielsweise die Einrichtung einer Baustelle in den RVS – Richtlinien und Vorschriften für das Straßenwesen – geregelt, streckenspezifische Besonderheiten jedoch werden individuell von ASFINAG-Sicherheitsexpertinnen und -experten ausgearbeitet. Dabei wird das Unfallgeschehen jedes auffälligen Abschnittes genau untersucht und dementsprechende Optimierungen zum Schutz der Mitarbeitenden evaluiert und umgesetzt.

So kommen beispielsweise zusätzliche Anpralldämpfer oder elektronische Hinweisschilder genauso zum Einsatz wie Prellfahrzeuge, die im Falle eines Unfalles die davor Arbeitenden schützen sollen. Wie notwendig dieser Einsatz ist, zeigen die Zahlen: pro Jahr werden rund 20 derartiger Warnleiteinrichtungen bei Auffahrunfällen zerstört.

Aber auch „persönliche Maßnahmen“ wie regelmäßige Schulungen, genaue Kontrollen zum Tragen der Schutzkleidungen sowie das permanente Anlegen der Sicherheitsgurte haben innerhalb der ASFINAG Betriebsorganisationen einen extrem hohen Stellenwert. Auditiert werden derartige Sicherheitsmaßnahmen in regelmäßigen Abständen durch eine ASFINAG-interne Abteilung.

Auch „externe“ Baustellen durch Auftragnehmer werden laufend überprüft. Dort gelten ebenso strengste Sicherheitsauflagen und behördliche Regelungen und Anordnungen. Die Geschwindigkeitsreduktionen in Baustellen- und Arbeitsbereichen dienen der Sicherheit aller – der Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer sowie der Arbeiter. Die Einhaltung der erlaubten Geschwindigkeit wird daher auch ständig überwacht, mittels Radar oder Section Control.

Mit Innovationen zum sicheren Arbeitsplatz Autobahn

Im Zentrum der Überlegungen beim Einsatz von Innovationen steht: Je weniger die ASFINAG Mitarbeitenden direkt auf der Fahrbahn stehen oder gehen, umso geringer fällt das Risiko eines Unfalls aus. Hinter vielen Neuerungen, die die ASFINAG vor allem im Ablauf der Tätigkeiten der Autobahnmeistereien umsetzt, stehen Ideen aus den eigenen Reihen. So wurde Anfang der 2000er Jahre der erste Überkopfwarnleitanhäger – eine Idee des damaligen Autobahnmeisters von St. Pölten in Kooperation mit dem damaligen Straßenmeister der Gemeinde Haag – in Betrieb genommen. Heute sind diese elektronischen Vorwarneinrichtungen zur Absicherung von Tagesbaustellen vom Autobahnbild nicht mehr wegzudenken.

Setzen von Leitkegel

Ebenso aus den eigenen Reihen stammen Ideen zum sicheren Setzen von Leitkegeln. Diese Kegel dienen dazu, einen zukünftigen Arbeitsbereich abzusperren. Leitkegel setzen ist bei Maßnahmen durch die Autobahnmeistereien der „erste Schritt“ in den fließenden Verkehr, und bergen daher die größte Unfallgefahr. Aufgestellt wurden diese Kegel bisher händisch von einem Mitarbeitenden der im hinteren Fahrzeugbereich positioniert war.

In einer Untersuchung der „Beinaheunfälle“, der faktischen Arbeitsunfälle und durch Beobachtungen der Betrieblichen Erhaltung konnten relevante Gefährdungsmuster  herausgearbeitet werden. So wurde im Wesentlichen Lkw als Unfallverursacher mit einem Anteil von knapp zwei Drittel am Gesamtunfallaufkommen identifiziert. Als häufigstes Unfallbild stellte sich der „Anprall von hinten“ bzw. ein „seitliches Streifen“ eines Fahrzeugs heraus.

Zur Minimierung dieses Risikos hat die ASFINAG gemeinsam mit der TU Graz unter dem Projektnamen „Saving“ eine Gefährdungsanalyse durchgeführt. Dabei wurden unterschiedliche Gefahrenmomente und Absicherungsvarianten beim Leitkegelsetzen getestet, und schließlich zwei Varianten für mehr Sicherheit bei diesem Arbeitsschritt ausgerollt.

Die mittlerweile etablierte Variante ist das Leitkegelsetzen mit einem schweren Lkw mit Arbeitskorb vorne. Damit ist der Mitarbeitende im Falle eines Unfalls von hinten durch den schweren Einsatz-Lkw der ASFINAG geschützt.

Die zweite Variante kommt ebenfalls zum Einsatz, jedoch nicht flächendeckend: Eine vollautomatische Kegelsetzung mittels eines Spezialfahrzeuges. Für das Arbeiten mit der Setzmaschine ergibt sich der Vorteil, dass nur ein Insasse dem Risiko durch einen Fahrzeuganprall ausgesetzt ist, allerdings ergibt sich durch die geringere Masse des Fahrzeugs ein höheres Risiko.

Aktuell testet die ASFINAG gerade auf der A 10 Tauernautobahn im Bereich von Golling den „Drop & Pick-VAN“, der das Aufstellen von ganzen Baustellen-Vorwarnmodulen automatisch durchführt. Dabei müssen Mitarbeitende das Fahrzeug nicht mehr verlassen.