07.05.2021

Wien ist anders – achtmal mehr Motorradunfälle als in anderen Bundesländern

Top-Unfallursache: Unfälle beim Spurwechsel – „Gebt aufeinander Acht!“ ASFINAG-Infoschwerpunkt für mehr Zwei-Rad-Sicherheit

Mit insgesamt nur 55 Kilometern ist das Autobahnen- und Schnellstraßennetz in Wien das kürzeste im Bundesländervergleich. Dennoch ist das Motorrad-Unfallgeschehen mit verletzten Bikern am hochrangigen Straßennetz der Bundeshauptstadt achtmal höher als in den restlichen Bundesländern. Statistisch gesehen passiert damit rund oder „etwa“ ein Unfall pro Kilometer alle zwei Jahre, kontinuierlich steigend. Nur zehn Prozent aller Unfälle sind sogenannte Alleineunfälle. Am öftesten kracht es in Wien im klassischen Berufsverkehr in der Früh und am Abend. Spitzenreiter der Unfallursachen beim Motorradfahren auf Wiens hochrangigem Netz sind mit 80 Prozent Zusammenstöße beim Spurwechsel. Motorrad-Unfallträchtigster Wochentag ist mit 19 Prozent aller Unfälle der Donnerstag. Verglichen mit Restösterreich liegt Wien in einer Acht-Jahresbetrachtung in absoluten Zahlen damit mit rund 220 Unfällen an erster Stelle. Gefolgt von Niederösterreich mit knapp 200 Unfällen aber einer Streckenlänge von mehr als 500 Kilometern.  

„Das Motorrad oder auch der Motorroller bieten die perfekten Voraussetzungen, um in Wien praktisch staufrei unterwegs zu sein“, sagt ASFINAG-Sicherheitsexperte Bernhard Lautner. „Das Mobilitätsverhalten verändert sich dahingehend bereits seit längerem. Alleine in Wien gab es 2020 mehr als 4.800 neue Zwei-Rad Zulassungen. „Leider jedoch birgt gerade die Verlockung des Vorbeischlängelns am stockenden Verkehr auf den innerstädtischen Autobahnen und Schnellstraßen ein nicht kalkulierbares Unfallrisiko. Einmal schnell am Gashebel drehen und rasch in eine Autolücke zu fahren kann verheerende Auswirkungen haben. Alles muss sehr schnell gehen, und das lenkt vom restlichen Verkehr ab und man kann nie wissen, wie die anderen reagieren. Zusammenstöße und schwere Stürze sind die Folge.“ Eine große Gefahr des „Unterschätzens“ sieht Experte Lautner bei Motorrollern: „Optisch kleinere Roller sind heute sehr oft bereits gut motorisiert. Viele Autofahrerinnen und Autofahrer unterschätzen daher wie schnell so ein Roller plötzlich da ist. Daher gilt es vor allem im dichten Verkehrsstrom immer gegenseitig Acht zu geben.“

Tipps für einen sicheren „City-Trip“ mit dem Motorrad

Damit die kleine Freiheit auf zwei Rädern auch auf den innerstädtischen Autobahnen ein Vergnügen bleibt, sollten einige Tipps beherzigt werden.

  • Stress ist kein guter Biker. Wer es eilig hat ist unkonzentriert und zu raschen Spurwechseln verleitet. Ein vielleicht an sich harmloser Sturz kann im Fließverkehr auch verheerende Auswirkungen haben. Lieber fünf Minuten mehr Zeit für die Wege einplanen.
  • Auch im innerstädtischen Verkehr gilt: Immer mit guter Ausrüstung – neben dem Sturzhelm sind das Hose, Schuhe, Jacke und Handschuhe – unterwegs sein. Die richtige Kleidung ist das einzige, das im Ernstfall schützen kann.
  • Immer bremsbereit fahren. Motorradfahren auf den innerstädtischen Autobahnen ist wie Schachspielen – als Zwei-Rad-Fahrender ist man gut beraten, immer mindestens zwei Züge im Voraus zu denken.